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Nice Touch

Ich weiß auch nicht so recht, wie das zuging, dass auf dem Foto so wenig Menschen drauf sind.

Klar, es ist lange her, Januar ’87, und zu dieser Zeit gab es sehr wenige indische Touristen.
Und es war die Zeit vor dem Mauerfall, d.h. dass es keinerlei Touristen aus dem Ostblock gab.
Und natürlich gab es damals eh viel weniger Touristen, weltweit.

Übrigens hab ich ein paar Jahre später in Varanasi zwei deutsche Motorradler getroffen, die tatsächlich an Agra vorbei gefahren waren, weil sie nicht wussten, was der Taj Mahal war(!). Sie hatten es eilig, von Deutschland nach Thailand zu kommen …

Der Durchblick auf den Taj Mahal ist offensichtlich nicht vom Haupteingang aus fotografiert, sondern von einem der Nebengebäude, links vom Haupteingang glaub ich. Da der Taj aber eh von allen vier Seiten spektakulär aussieht, spielt das für die Eindrücklichkeit eher keine Rolle.

Ich weiß noch, dass unser Hotel Mumtaz Mahal hieß, eine Low-Budget-Travellerunterkunft, in der man für umgerechnet 1,05€ ein Doppelzimmer bekam. Für eine Mark bekam man 4,50 Rupien, und wie man unten im Scan aus dem Buch „Der billigste Trip mach Indien“ sehen kann, kostete ein Doppelzimmer 10 Rupien.

Low-Budget, aber High Class, denn vom Rooftop aus hatte man einen herrlichen Blick auf den Taj, der nicht mehr als 150m entfernt war.
„Dachterrasse“ würde einen falschen Eindruck erwecken, denn das Hotel hatte ja nur ein Stockwerk. Auf dem Rooftop gab es ein paar Tische, an denen man abends etwas aus der einfachen Küche essen konnte, und es waren ein paar „Zimmer“ auf das Flachdach gesetzt worden.

Silvia versucht, sich auf dem Rooftop des Mumtaz Mahal zu entspannen. A Glaserl Chai und ein gutes Buch helfen vielleicht
Gegenüber arbeitet die Frau des Hauses auf ihrer Dachterrasse. Wenn’s heiß ist, wird hier auch geschlafen.

Hab ich schon erwähnt, dass es soooooo viel Freude bereitet, in den alten Fotos zu stöbern?
(Wollte schon schreiben „Spaß macht“, aber das geht tatsächlich über den Spaß hinaus und hat etwas zutiefst Befriedigendes in sich, also „Freude bereitet“.)

Ich war ja immer mit ganz kleinem Budget unterwegs. Für die erste Reise hab ich gerade einmal 900€ gebraucht, und das für 6 Monate überland nach Indien und Nepal. Da ist dann auch nicht so viel vorgesehen für den Kauf von Filmen. Soll heißen, dass die Qualität des Materials echt unterdurchschnittlich war. Das spielt keine so große Rolle, wenn man die Dias an die Wand projiziert. Beim Einscannen/Abfotografieren treten die Schwächen aber sowas von in den Vordergrund, dass manche Bilder kaum anzusehen sind. Das Motiv ist zwar erkennbar, aber das Rauschen ist wie ein darüber gelegter Schleier.

Enter Topaz DeNoise. Ich bin dermaßen begeistert, da die Software das Rauschen so gut herausrechnet, dass die Bilder wirklich präsentierbar werden.
Auf meiner Fahne kommt das Wort „Konstanz“ ja nicht wirklich vor, obwohl das eine sehr schöne Stadt ist, aber ich hoffe mal, dass ich mit dem Bildmaterial 2.0 jetzt auch wieder meine Freude am Bloggen wiederfinde …

Ausschnitt des obigen Bildes ohne Entrauschen.
Der Preis bei meinem ersten Besuch 1980.
Doppelzimmer = 10 Rupien = 2,10 DM

NACHTRAG:
Gerade ist mir wieder eingefallen, dass 1980 auf der Dachterrasse des Mumtaz Mahal eine entscheidende Weiche in meinem Leben gestellt wurde.
Vor der Reise hatte ich mein Sinologie Studium abgebrochen. Keine Ahnung, was ich nach der Rückkehr studieren wollte/sollte.
Auf der Dachterrasse kam ich mit zwei total sympathischen Deutschen ins Gespräch. Einer davon war Schreiner. Ich war völlig überrascht, wie cool ein HANDWERKER sein konnte. Für mich waren die eher solide im Spießertum beheimatet.
Die Beiden rieten mir, eher früher als später nach Nepal weiterzureisen. Und yeah, bester Tipp ever! In Nepal ging mir das Herz auf.

Eines der Bücher, die ich mit mir rumschleppte (oh manno, Bücher machen einen Rucksack echt schwer), war Erich Fromms „Die Kunst des Liebens“. Und in einem kleinen Zimmerchen irgendwo in einem nepalesischen Guest House hab ich dann das Kapitel gelesen, in dem geschrieben stand, dass ein Tischler bei allem, was er schafft, mit Liebe zu Werke gehen sollte, weil es sonst nix wird mit dem Schaffen.
Wie gut ich mir das vorstellen konnte!
So gut, dass ich noch im selben Jahr die Ausbildung begann …

Und natürlich waren die Schreinerkollegen überwiegend im Spießertum beheimatet.
Aber das Schreinern selbst hat mir tatsächlich einen Weg zur Schaffensfreude gezeigt.

Indien ’87
 
Von Dezember ’86 bis Juni ’87. Unterwegs mit Silvia, später (Ende Februar) kam auch Beni dazu.
 
Erst kurz durch Indien, dann durch Nepal (inkl. 2 Treks), mit Beni zusammen dann durch Tibet und China … und mit der Transsib ruzück.