Obwohl Paris quasi um die Ecke ist, war ich seit fast 20 Jahren nicht mehr dort. Dabei beträgt die Dauer für die Zugfahrt nur 1:50 Stunden, was ja fast noch näher ist als nur ums Eck …
Sellamohls, mit 16 Jahren, war der Trip nach Paris und weiter nach Nantes das erste große Abenteuer. Zu dritt, Hans und Guggi waren mit dabei, wurden wir von zwei Austauschschülerinnen nach Nantes „eingeladen“. In Nantes waren wir dann auf dem Campingplatz, und in Paris hatten wir von den Mädels die Adresse einer Kommune bekommen, in der Unterschlupf für ein paar Nächte kein Problem sein sollte. Ich glaube, dass einer der Brüder dort gewohnt hat.

In der Kommune sind wir dann tatsächlich untergekommen, obwohl uns niemand angekündigt hatte. Die Mädels dachten wohl nicht im Ernst daran, dass wir kommen würden …
Ich habe wenig Erinnerungen an die paar Tage in der Kommune, außer dass ich ziemlich schlecht geschlafen habe. Isomatte auf Wohnzimmerboden, you know …
Dann ist da aber eine Erinnerung, die mich lange nicht losgelassen hat: In der WG gab es ein Dart-Board an der Wand, und die Zielscheibe war überklebt mit einem Bild weiblicher Geschlechtsteile. Full split beaver, wie John Irving es wohl genannt hätte.
Das war total, total, total beknackt, aber auch verstörenderweise erregend. Man wollte nicht hinschauen, kam aber auch nicht drumherum.

Wir haben dann versucht, per Daumen nach Nantes zu reiten, kamen aber an einem langen Tag nur bis nach Chartres, wo wir unser Zelt irgendwie auf einem unbebauten Grundstück am Rande der Stadt aufgeschlagen haben.

In Nantes kamen wir dann mit dem Zug an …
Hier kommt meine Lieblingserinnerung an diese Zeit. Wir waren auf dem Campingplatz in Nantes, und da wir ja eh so gut wie keine Kohle zur Verfügung hatten, haben wir uns hauptsächlich von Baguette mit Senf ernährt. Morgens und gegen späteren Nachmittag wurde der Kiosk auf dem Campingplatz immer mit frischen Baguettes beliefert, und auch wir haben uns in die Schlange gestellt, um welche zu kaufen.
Die Bedienung im Kiosk war ein paar Jahre älter als wir, bestimmt schon Anfang 20, und war sagenhaft attraktiv. Auf die Frage, ob ich außer dem Baguette und den Gauloises noch etwas anderes benötigte, hab ich immer schön mit niedergeschlagenen Augen und ein bisschen vielsagend geantwortet: Amora.

Bei meinem ersten Paris-Besuch ’74 hatte ich definitiv eine Kodak Instamatic-Kamera dabei. Dreißig Jahre später hatte ich mit ziemlicher Sicherheit eine Kodak-Digitalkamera dabei. Und wie das so ist, mit den Fotos aus den frühen Digitalkameras … auf irgendeiner Festplatte verschollen …
Da muss man sich halt aus dem Gedächtnis etwas zusammenstopseln.







