… war der Titel zu obigem Bild auf dem Plakat zu meinen Dia-Vorträgen von der ’96er Reise.
Ich fand das ganz witzig, weil ich ja nur mit einem Auge sehen kann.
Wenn man mal ein paar ansehnliche Fotos gemacht hat, sagen die Leute gerne: „Du hast ein gutes Auge“. Well, yeah!
Meistens habe ich darauf verzichtet, zu betonen, dass es wirklich nur eines ist.
Fun Fact: Mein gutes Auge ist das linke, und das ist, wie man weiß, querverbunden mit der rechten Gehirnhälfte, welche die intuitive oder bildhafte Seite ist, im Gegensatz zur linken Gehirnhälfte, die eher Logisches verarbeitet.
Der Herr auf dem Foto ist der Vater eines Mopped-Wallahs, dessen kleine 3-m²-Werkstatt ca. 20m hinter der Kreuzung lag, auf der meine Enfield plötzlich schlappgemacht hatte.
Die Reparatur zog sich elend lange hin, auch weil ein kleines Ersatzteil aus der nächstgelegenen Stadt besorgt werden musste. Während des gefühlt vierstündigen Wartens (die tatsächliche Reparatur war dann in 15 Minuten erledigt) hab ich gegen meine aufkeimende Panik angekämpft, denn es war klar, dass ich meine Reise nach Einbruch der Dunkelheit fortsetzen muss, und wer einmal auf Indiens Straßen unterwegs war, weiß, dass das eine sehr, sehr schlechte Voraussetzung für ein unversehrtes Ankommen ist.
Kann gut sein, dass der junge Mopped-Wallah sich durch mein Gejammere über die unvermeidlich anstehende Nachtfahrt genötigt gefühlt hat, dem Ferengi (Fremden oder Foreigner) aus der Patsche zu helfen. Jedenfalls hat er mich nach erfolgter Reparatur eingeladen, mit in sein Elternhaus im nächsten Dorf zu kommen, mit Übernachtungsmöglichkeit.
Bin normalerweise nicht jemand, der sooo engen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sucht (ausgenommen beim Trekking in Nepal), aber Himmel, war ich erleichtert.
Natürlich war die Aktion dann auch ganz schön befremdlich, hatte mich ja irgendwie aufgedrängt und nicht damit gerechnet, dass da viel Aufhebens gemacht wird. Die Mutter hat ein leckeres Essen aufgetischt und die Unterhaltung war dank Sprachbarriere stockend und gestenreich. Aber richtig peinlich wurde es mir, als der Sohnemann für mich sein Zimmer geräumt hat, um im Innenhof zu schlafen. Das wäre doch eher mein Platz gewesen. Und noch peinlicher war mir, dass sie sich darauf versteift hatten, dass die Enfield mit ins Zimmer sollte. Keine Chance, mich zu widersetzen.
Morgens gab’s dann nach einer wunderbaren Dusche noch Frühstück, und als ich erfuhr, dass der Papa in die nächste Stadt musste, bot ich natürlich an, dass ich ihn auf dem Sozius mitnehmen könne.
Ich denke, dass es ganz schön eng und unbequem war bei mir hintendrauf (ich hatte auch noch meinen Fotorucksack auf dem Rücken … in seinem Gesicht …), aber ich hatte das Gefühl, mich revanchieren zu müssen …
Das Foto entstand, nachdem ich ihn abgeladen hatte. Es könnte vor einer Augenarztpraxis gewesen sein.




