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Der rosarote Elefant

’79 kurz vor dem Jahreswechsel in Goa angekommen. Freund Hans hatte schon seit der Busfahrt durch Pakistan Ohrenschmerzen. Keine Chance, ihn trotz sichtlich großer Schmerzen zu einem Arztbesuch zu überreden.

Vom Colva Beach, wo unsere Unterkunft war, konnte man mit einem Motorradtaxi schnell und durch bezaubernde Landschaft nach Panaji fahren, mit 40.000 Einwohnern „Hauptstadt“ von Goa.

Dort auf dem Bazar gab’s natürlich einige Apotheken, wobei man sich das nicht so vorstellen sollte wie in Deutschland …

Einem der Apotheker hab ich von Hans’ Ohrschmerzen erzählt und um ein Mittel gebeten. Ich glaube, dass das Wasserstoffperoxid war, das, wie ich es verstanden hatte, in die Ohren geträufelt werden sollte.

Schon beim Bezahlen war mir klar, dass Hans das nie und nimmer machen würde, sondern das Ganze wohl eher in der Kategorie „übergriffig“ abspeichern würde.

Deshalb hab ich das Zurückfahren hinausgezögert und bin ein bisschen durch die Marktstraßen geschlendert. Es war heiß hier, und ich hatte immer noch die Winterklamotten von zuhause an. Also schnell etwas Stoff gekauft und beim Schneider eine Pluderhose in Auftrag gegeben.

Der Stoff war rosarot.

In unserer Unterkunft, einem Zimmer im ersten Stock bei einer Familie, bestand der Fußboden aus sehr, sehr dünnen Palmholz Brettern, ich würde sagen höchstens 1 cm dick. Ich schätze mal, dass die Abstände der Balken, zwischen denen sie befestigt waren, 60 – 80 cm betrug.

Palmholz ist sehr zäh und elastisch, und in dieser Stärke und bei der Spannweite biegt es sich ordentlich durch. Geht man ein paar Schritte, ergibt sich bald ein eigenartiges Gangmuster, ähnlich nach Konsum von Palmwein. Und sämtliche Möbel in Reichweite fangen an zu tanzen.

Das war dann Hans’ Rache für meinen eigenmächtigen und dickköpfigen Wasserstoffperoxidkauf, dass er mich, sobald ich mich durchs Zimmer bewegte, mit Vorliebe „rosaroter Elefant“ nannte.

Indien und Nepal ’79
 

Dezember ’79 losgefahren mit Freund Hans.
Überland mit Bus und Zug durch die Türkei, den Iran und Pakistan.

Ab Januar dann alleine weitergereist. Spannend war das!

Im Februar kam Freund Guggi für ein paar Wochen auf Besuch.

Ende Mai ’80 wieder retour, wieder Überland.